3. Preis – gruber + Kleine-Kraneburg Architekten | Wewer Landschaftsarchitektur

1004 – 3. Preis

Verfasser: gruber + Kleine-Kraneburg Architekten, Frankfurt am Main
Martin Gruber Dipl.-Ing. Architekt
Helmut Kleine-Kraneburg Prof. Dipl.-Ing. Architekt

Mitarbeiter: Marcel Koch-Mehrin
Marie-Theres Völpel
Sung-Jean Park
Arbenita Xhafa

Landschaftsarchitekten: Landschaftsarchitektur: Wewer Landschaftsarchitektur,
Gutzkowsstraße 9, 60594 Frankfurt am Main

Fachplaner: TGA: HPI Himmen, Zülpicher Straße 58e, 50674 Köln
Tragwerk, Brandschutz: Reichmann + Partner
Ingenieurgesellschaft, Eichenweg 1, 35630 Ehringshausen

Hilfskräfte: Modellbau: SCALE, Mittlerer Schafhofweg 14, 60598 Frankfurt am Main,
Visualisierung: NOOKTA, Heidelberger Straße 129, 64285 Darmstadt

Beurteilung

Die Jury würdigt den klaren und geradlinigen städtebaulichen Abschluss der Neuen Mitte Thon nach Norden hin und die Intention der zusammenhängenden Gestaltidee der über Kolonnaden kommunizierenden Gebäude. Die wohlproportionierte Gliederung und Staffelung der einzelnen Häuser fügt sich ausgesprochen gut in die Umgebung ein und vermittelt eine angenehme Ruhe in der heterogenen Umgebung. Im Nordosten wird die architektonische Verbindung, das Dach am Stadteingang, als zu hermetische Geste zum Kreuzungsbereich diskutiert, eine großzügigere Vorzone im Kreuzungsbereich wird dagegen vermisst. Das westliche Zugangstor an der Pretzfelder Straße wird ebenfalls kontrovers bewertet, da die Nutzbarkeit der Überdachung und der darüber liegenden Büroeinheit von einigen Jurymitgliedern kritisch gesehen wird. Der sorgfältig dargestellte Umgang mit der Topografie und der Hochwassersituation wird gewürdigt, hätte jedoch landschaftlicher – mit weniger Stufenansammlungen und damit barrierefrei – ausfallen können. Die erforderlichen Funktionen werden in den Grundrissen gut nachgewiesen, insbesondere das Hochhaus wird dahingehend gelobt, wenn auch die Ausbildung des obersten Technikgeschosses Fragen hinterlässt. Am Bürgersaal wird eine Gastroküche vermisst und die Anlieferung des Einzelhandels bleibt unklar. Die Fassadengestaltung ist fein ausdetailliert und entspricht dem Konzept der Verwandtschaft der Häuser gekonnt.

Die Materialitäten werden in ihrer Anmutung und Konstruktion gewürdigt, nur bezüglich ihrer Funktionalität hinterfragt, was die Schattierungselemente betrifft. Die schlichte Gestaltung der Freianlagen und deren Multifunktionalität bezüglich Bespielung mit Marktflächen aber auch zur Regenwasserrückhaltung wird positiv bewertet, der hohe Versiegelungsgrad ist jedoch nicht nachvollziehbar.

Die Platzierung der Marktfläche vor den Arkaden mit Außengastronomie ist gut gewählt und verspricht belebte Platzsituationen. Bei einer eventuell nötigen Erweiterung der Tiefgarage erscheint jedoch der abgesenkte mittige Bereich so nicht umsetzbar. Es wird anerkannt, dass der Baumbestand im Norden größtenteils erhalten werden kann.

Die vorgeschlagene Konstruktion mit tragenden Fassadenelementen ist bezüglich Material und Tragwerksplanung schlüssig . Die Wirtschaftlichkeit der Bauweise liegt im durchschnittlichen Bereich, schwierig wird der Unterhalt der Schattierung und der rückspringenden Fensterbereiche eingeschätzt. Die BGF wird gegenüber dem Sollwert um rund 20% überschritten, das birgt das Potential einer Abstaffelung an zurzeit noch kritisch bewerteten Stellen.

Der Entwurf bietet ein weitreichendes Nachhaltigkeitskonzept an. Insbesondere zu den Bausteinen Energie und Konstruktion aus nachwachsenden und recyclebaren Stoffen werden umfassende Angaben gemacht, die positiv gewürdigt werden. Dieser Beitrag besticht insgesamt durch seinen feinen städtebaulichen Umgang, sowie seine
Gestaltqualitäten, wird gleichzeitig aber auch in seiner Zurückhaltung als zu wenig identitätsstiftend und adressbildend diskutiert.

9. März 2021